Aufruf der Kompliz*innen zum 8. März: Unsere Kämpfe sind verbunden! Unsere Solidarität auch!

Am 8. März nehmen wir uns die Straßen – gemeinsam, entschlossen und solidarisch. In einer Zeit, in der feministische Kämpfe weltweit unter Druck stehen, ist unser Zusammenkommen notwendiger denn je. Der feministische Kampftag ist ein Moment der Sichtbarkeit, des Widerstands und der Verbindung: ein kämpferischer Aufschrei gegen patriarchale Gewalt, Ausbeutung und Ausschlüsse – hier in Hamburg und weltweit.
Diese Demonstration richtet sich an alle FLINTA* (Frauen, Lesben, inter, nichtbinäre, trans* und agender Personen) und an alle Kompliz*innen, die sich für umfassende feministische Solidarität einsetzen wollen! Der 8. März steht in einer langen Geschichte feministischer Kämpfe: Historisch betrachtet organisieren sich FLINTA* seit langem gegen Ausbeutung, politische Entrechtung und patriarchale Gewalt. Dabei wurde immer wieder deutlich, dass Unterdrückung nicht eindimensional funktioniert. Das Patriarchat ist eng verwoben mit Kapitalismus, Rassismus, Kolonialismus und Antisemitismus. Diese Verflechtungen sichtbar zu machen ist zentral für einen universellen Feminismus, der niemanden ausschließt. Unsere Kämpfe sind verbunden – und wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen!
Wir erleben in Deutschland, wie der gesellschaftliche Backlash sich in einer autoritären Krisenideologie zunehmend intensiviert: Rechte, reaktionäre und faschistische Kräfte gewinnen zunehmend an Einfluss und greifen linke, feministische und queere Errungenschaften gezielt an. FLINTA* werden in ihrer Selbstbestimmung eingeschränkt, Transfeindlichkeit wird politisch instrumentalisiert und Menschenrechte werden durch rassistische Abschottungs- und Ausgrenzungspolitiken mit Füßen getreten. Rechte Angriffe auf CSDs waren 2025 auf einem Höchststand, linke Zentren wie das AZ Kim Hubert in Salzwedel oder die Zelle 79 in Cottbus erleben regelmäßig rechte Attacken und die staatliche Repression gegen Antifaschist*innen hat mit der rechtswidrigen Auslieferung von Maja nach Ungarn ein neues Level erreicht. Gleichzeitig steigen die Zustimmungswerte zur AfD stetig an und das nicht trotz, sondern wegen ihrer rassistischen, antifeministischen und faschistischen Programmatik. Doch anstatt solidarisch zusammenzustehen, mobilisieren linksautoritäre Gruppen gegen selbstverwaltete Orte wie das Conne Island oder die Rote Flora und nehmen die Querfront mit Coronaleugner*innen und rechten Gruppen zumindest billigend in Kauf. Umso wichtiger ist es für uns als FLINTA* solidarisch und handlungsfähig zu bleiben!
Auch in Hamburg werden feministische Errungenschaften angegriffen: Während Genderforschung vielerorts unter Druck gerät, wurde auch hier beschlossen, erkämpfte Orte kritischer Bildung wie die Zentrale Bibliothek Frauenforschung, Gender & Queer Studies und das Hamburger Zentrum für Disability Studies zu schließen. Gleichzeitig verschärft sich die Verdrängungspolitik im öffentlichen Raum: Rund 4.000 Menschen sind in Hamburg obdachlos, etwa 20 Prozent davon sind FLINTA*, wobei die Dunkelziffer wohnungsloser FLINTA* deutlich höher liegt und häusliche Gewalt häufig der Auslöser ihrer Wohnungslosigkeit ist. Die statistische Alltäglichkeit häuslicher Gewalt bis hin zum Femizid und die zunehmende Hasskriminalität gegen queere Menschen machen uns fassungslos. Doch statt soziale Sicherheit zu fördern und Schutzräume für FLINTA* auszubauen, werden Sozialleistungen und Mittel für die offene Kinder- und Jugendarbeit, sowie sozialraum- und fluchtbezogene Angebote gekürzt. Dadurch wird die finanzielle und soziale Abhängigkeit von FLINTA* verschärft, das ist ein Skandal!
FLINTA* sind weltweit patriarchaler Gewalt ausgesetzt – durch staatliche Repression, Kriege, religiösen Fundamentalismus und antifeministische und nationalistische Ideologien. Ob im Iran, von wo aus nach der Ermordung von Jina Mahsa Amini die ursprünglich in der kurdischen Frauenbewegung geprägte Forderung „Jin, Jiyan, Azadî“ zur internationalen feministischen Parole geworden ist und zehntausende Menschen für ihren Einsatz für Selbstbestimmung verfolgt, vergewaltigt, inhaftiert und getötet werden. Ob in den USA, wo das landesweite Recht auf Abtreibung abgeschafft und Trans*feindlichkeit per Dekret festgeschrieben wird, während der autoritäre Umbau auf Hochtouren läuft und der rassistische Staatsterror durch ICE grassiert. Ob in Rojava, wo feministische Selbstorganisierung und radikale Gleichberechtigung unter Kriegsbedingungen verteidigt und lange Zöpfe zum Symbol der Widerständigkeit werden. Ob in Argentinien, wo die von der queerfeministischen Massenbewegung „Ni una menos“ hart erkämpften Rechte auf Abtreibung und Schutzmaßnahmen unter Milei systematisch angegriffen werden. Ob im Sudan, wo Massaker an der Zivilbevölkerung und sexualisierte Gewalt gegen FLINTA* verübt werden. Diese unvollständige Aufzählung der globalen Kämpfe von FLINTA* macht deutlich: Weltweit stabilisieren autoritäre Regime und Milizen unter dem Einsatz von massiver Gewalt die patriarchalen Machtverhältnisse und bekämpfen emanzipatorische Bewegungen.
Gerade deshalb braucht es einen Feminismus, der umfassend solidarisch ist und gleichzeitig klare politische Grenzen zieht. Ein Feminismus, der patriarchale Gewalt an marginalisierten Gruppen wie jüdischen, jesidischen, oder kurdischen FLINTA* relativiert oder leugnet, ist kein emanzipatorischer Feminismus. Und auch ein Aktivismus für vermeintliche „Frauenrechte“, der trans* Frauen wie in Großbritannien per – von JK Rowling finanziertem – Gerichtsurteil aus Räumen, Toiletten und von Spielfeldern verbannen will, ist weder emanzipatorisch noch feministisch, sondern gefährlich und reaktionär. Unser Anspruch ist ein universeller Feminismus, der sich konsequent gegen jede Form von Diskriminierung wie Sexismus, Queerfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, Ableismus, Klassismus und Trans*feindlichkeit richtet. Unsere Solidarität gilt somit allen Personen weltweit, die von patriarchaler Gewalt betroffen sind und auch all denen, die alltäglich gegen diese Gewalt kämpfen.
Diese Demonstration soll ein Raum sein, in dem die politischen Forderungen und Kritiken von FLINTA* gehört werden und ihre Kämpfe sichtbar sind – geprägt von Solidarität und Mut, nicht von nationaler Symbolik oder Machtinszenierungen. Wir verstehen diesen Raum nicht als selbstverständlich oder vollständig inklusiv. Viele FLINTA* können an diesem Tag nicht auf der Straße sein: Repression, unsichere Aufenthaltsverhältnisse, psychische Belastungen, Care- und Lohnarbeit, fehlende Barrierefreiheit oder die Angst vor Gewalt, Polizeikontrollen oder einem unfreiwilligen Outing machen Sichtbarkeit oft unmöglich. Das ist keine individuelle Verantwortung, sondern Ausdruck gesellschaftlicher Machtverhältnisse.
Feministischer Widerstand misst sich nicht nur an physischer Präsenz. Solidarität heißt, alle mitzudenken. Die Kämpfe der Personen, die nicht kommen können, gehören zu diesem Tag. Der 8. März endet nicht auf der Straße, sondern wirkt weiter – in unseren Beziehungen, Bündnissen und unserer gelebten Solidarität!
Kommt alle zur Demonstration am 8. März 2026 um 13 Uhr am Hans-Albers-Platz!
