Aufruf der Kompliz*innen zum 8. März: Unsere Kämpfe sind verbunden! Unsere Solidarität auch!

13. Februar 2026 by hausfriedensbruch

Am 8. März nehmen wir uns die Straßen – gemeinsam, entschlossen und solidarisch. In einer Zeit, in der feministische Kämpfe weltweit unter Druck stehen, ist unser Zusammenkommen notwendiger denn je. Der feministische Kampftag ist ein Moment der Sichtbarkeit, des Widerstands und der Verbindung: ein kämpferischer Aufschrei gegen patriarchale Gewalt, Ausbeutung und Ausschlüsse – hier in Hamburg und weltweit.

Diese Demonstration richtet sich an alle FLINTA* (Frauen, Lesben, inter, nichtbinäre, trans* und agender Personen) und an alle Kompliz*innen, die sich für umfassende feministische Solidarität einsetzen wollen! Der 8. März steht in einer langen Geschichte feministischer Kämpfe: Historisch betrachtet organisieren sich FLINTA* seit langem gegen Ausbeutung, politische Entrechtung und patriarchale Gewalt. Dabei wurde immer wieder deutlich, dass Unterdrückung nicht eindimensional funktioniert. Das Patriarchat ist eng verwoben mit Kapitalismus, Rassismus, Kolonialismus und Antisemitismus. Diese Verflechtungen sichtbar zu machen ist zentral für einen universellen Feminismus, der niemanden ausschließt. Unsere Kämpfe sind verbunden – und wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen!

Wir erleben in Deutschland, wie der gesellschaftliche Backlash sich in einer autoritären Krisenideologie zunehmend intensiviert: Rechte, reaktionäre und faschistische Kräfte gewinnen zunehmend an Einfluss und greifen linke, feministische und queere Errungenschaften gezielt an. FLINTA* werden in ihrer Selbstbestimmung eingeschränkt, Transfeindlichkeit wird politisch instrumentalisiert und Menschenrechte werden durch rassistische Abschottungs- und Ausgrenzungspolitiken mit Füßen getreten. Rechte Angriffe auf CSDs waren 2025 auf einem Höchststand, linke Zentren wie das AZ Kim Hubert in Salzwedel oder die Zelle 79 in Cottbus erleben regelmäßig rechte Attacken und die staatliche Repression gegen Antifaschist*innen hat mit der rechtswidrigen Auslieferung von Maja nach Ungarn ein neues Level erreicht. Gleichzeitig steigen die Zustimmungswerte zur AfD stetig an und das nicht trotz, sondern wegen ihrer rassistischen, antifeministischen und faschistischen Programmatik. Doch anstatt solidarisch zusammenzustehen, mobilisieren linksautoritäre Gruppen gegen selbstverwaltete Orte wie das Conne Island oder die Rote Flora und nehmen die Querfront mit Coronaleugner*innen und rechten Gruppen zumindest billigend in Kauf. Umso wichtiger ist es für uns als FLINTA* solidarisch und handlungsfähig zu bleiben!

Auch in Hamburg werden feministische Errungenschaften angegriffen: Während Genderforschung vielerorts unter Druck gerät, wurde auch hier beschlossen, erkämpfte Orte kritischer Bildung wie die Zentrale Bibliothek Frauenforschung, Gender & Queer Studies und das Hamburger Zentrum für Disability Studies zu schließen. Gleichzeitig verschärft sich die Verdrängungspolitik im öffentlichen Raum: Rund 4.000 Menschen sind in Hamburg obdachlos, etwa 20 Prozent davon sind FLINTA*, wobei die Dunkelziffer wohnungsloser FLINTA* deutlich höher liegt und häusliche Gewalt häufig der Auslöser ihrer Wohnungslosigkeit ist. Die statistische Alltäglichkeit häuslicher Gewalt bis hin zum Femizid und die zunehmende Hasskriminalität gegen queere Menschen machen uns fassungslos. Doch statt soziale Sicherheit zu fördern und Schutzräume für FLINTA* auszubauen, werden Sozialleistungen und Mittel für die offene Kinder- und Jugendarbeit, sowie sozialraum- und fluchtbezogene Angebote gekürzt. Dadurch wird die finanzielle und soziale Abhängigkeit von FLINTA* verschärft, das ist ein Skandal!

FLINTA* sind weltweit patriarchaler Gewalt ausgesetzt – durch staatliche Repression, Kriege, religiösen Fundamentalismus und antifeministische und nationalistische Ideologien. Ob im Iran, von wo aus nach der Ermordung von Jina Mahsa Amini die ursprünglich in der kurdischen Frauenbewegung geprägte Forderung „Jin, Jiyan, Azadî“ zur internationalen feministischen Parole geworden ist und zehntausende Menschen für ihren Einsatz für Selbstbestimmung verfolgt, vergewaltigt, inhaftiert und getötet werden. Ob in den USA, wo das landesweite Recht auf Abtreibung abgeschafft und Trans*feindlichkeit per Dekret festgeschrieben wird, während der autoritäre Umbau auf Hochtouren läuft und der rassistische Staatsterror durch ICE grassiert. Ob in Rojava, wo feministische Selbstorganisierung und radikale Gleichberechtigung unter Kriegsbedingungen verteidigt und lange Zöpfe zum Symbol der Widerständigkeit werden. Ob in Argentinien, wo die von der queerfeministischen Massenbewegung „Ni una menos“ hart erkämpften Rechte auf Abtreibung und Schutzmaßnahmen unter Milei systematisch angegriffen werden. Ob im Sudan, wo Massaker an der Zivilbevölkerung und sexualisierte Gewalt gegen FLINTA* verübt werden. Diese unvollständige Aufzählung der globalen Kämpfe von FLINTA* macht deutlich: Weltweit stabilisieren autoritäre Regime und Milizen unter dem Einsatz von massiver Gewalt die patriarchalen Machtverhältnisse und bekämpfen emanzipatorische Bewegungen. 

Gerade deshalb braucht es einen Feminismus, der umfassend solidarisch ist und gleichzeitig klare politische Grenzen zieht. Ein Feminismus, der patriarchale Gewalt an marginalisierten Gruppen wie jüdischen, jesidischen, oder kurdischen FLINTA* relativiert oder leugnet, ist kein emanzipatorischer Feminismus. Und auch ein Aktivismus für vermeintliche „Frauenrechte“, der trans* Frauen wie in Großbritannien per – von JK Rowling finanziertem – Gerichtsurteil aus Räumen, Toiletten und von Spielfeldern verbannen will, ist weder emanzipatorisch noch feministisch, sondern gefährlich und reaktionär. Unser Anspruch ist ein universeller Feminismus, der sich konsequent gegen jede Form von Diskriminierung wie Sexismus, Queerfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, Ableismus, Klassismus und Trans*feindlichkeit richtet. Unsere Solidarität gilt somit allen Personen weltweit, die von patriarchaler Gewalt betroffen sind und auch all denen, die alltäglich gegen diese Gewalt kämpfen.

Diese Demonstration soll ein Raum sein, in dem die politischen Forderungen und Kritiken von FLINTA* gehört werden und ihre Kämpfe sichtbar sind – geprägt von Solidarität und Mut, nicht von nationaler Symbolik oder Machtinszenierungen. Wir verstehen diesen Raum nicht als selbstverständlich oder vollständig inklusiv. Viele FLINTA* können an diesem Tag nicht auf der Straße sein: Repression, unsichere Aufenthaltsverhältnisse, psychische Belastungen, Care- und Lohnarbeit, fehlende Barrierefreiheit oder die Angst vor Gewalt, Polizeikontrollen oder einem unfreiwilligen Outing machen Sichtbarkeit oft unmöglich. Das ist keine individuelle Verantwortung, sondern Ausdruck gesellschaftlicher Machtverhältnisse.

Feministischer Widerstand misst sich nicht nur an physischer Präsenz. Solidarität heißt, alle mitzudenken. Die Kämpfe der Personen, die nicht kommen können, gehören zu diesem Tag. Der 8. März endet nicht auf der Straße, sondern wirkt weiter – in unseren Beziehungen, Bündnissen und unserer gelebten Solidarität!

Kommt alle zur Demonstration am 8. März 2026 um 13 Uhr am Hans-Albers-Platz!

Rückzug aus 8. März-Bündnis

3. März 2024 by hausfriedensbruch

Heute haben wir unsere Mitarbeit am 8. März-Bündnis mit folgendem Statement aufgekündigt:

Liebes Bündnis,
da wir erst spät dazugestoßen sind, haben wir lange gebraucht, um durchzusteigen, aber besser spät als nie: Wir haben nachvollzogen, wie sich das Bündnis in Fragen von Antisemitismus und Antisemitismuskritik verhalten hat. Das können wir mit unserer politischen Positionierung nicht vereinbaren und steigen deshalb wieder aus der Zusammenarbeit aus. Für uns wäre eine klarere Haltung gegen (auch) israelbezogenen Antisemitismus notwendig gewesen. Der umstrittene Post von Ba’Hamad / Der Jugend im Exil ist zwar eher ein Anlass als der Grund, aber er überschreitet wirklich alle roten Linien. Dass das Bündnis sich nicht zu einer Positionierung dagegen entschließen konnte und alle inhaltlichen Diskussionen um diese Frage abgewehrt hat, finden wir falsch und möchten uns deshalb nicht weiter beteiligen. Streicht uns deshalb bitte wieder von der Unterstützer*innenliste.

Gruppe Hausfriedensbruch

Aufruf des Bündnis 8M: Heraus zum feministischen Kampftag am 8. März!

22. Februar 2024 by hausfriedensbruch


Auch dieses Jahr wollen wir gemeinsam einen kämpferischen 8. März! Heraus zum feministischen Kampftag am 8. März! Wir rufen alle Frauen, Lesben, inter-, nicht-binäre, Trans- und agender-Personen (FLINTA) auf, mit uns auf die Straße zu gehen.

Alles wird teurer – ob an der Supermarktkasse oder bei der Heizrechnung, wir können uns unser Leben nicht mehr leisten! Der aktuelle Haushaltsplan der Bundesregierung verschärft die Ungerechtigkeit weiter und verursacht weniger Schutz und mehr Armut für Frauen, Lesben, queere Menschen, Rentnerinnen und insbesondere Mütter. Kindergeld, Bildung, Wohnungsbau – überall will man kürzen, außer in der Aufrüstung.

Dabei arbeiten insbesondere migrantische Frauen in prekären Berufen. Gemeinsame Kämpfe und Streiks für bessere Löhne, Arbeitszeitverkürzungen und insbesondere Verbesserung der Arbeitsbedingungen sind feministische Kämpfe! Mit gezielter Spaltung verschleiert die Ampelregierung ihre unsoziale Politik und versucht uns gegeneinander auszuspielen.

Wir beobachten, wie derzeit immer mehr rechtspopulistische Parteien in Europa an Zustimmung gewinnen, deren rassistische und antifeministische Hetze konkrete Folgen auf die Rechte von Frauen und Queers hat! Menschen, die sich den patriarchalen Logiken von den rechtsextremen Kräften aller Spektren entgegenstellen, werden als Gefahr der gewaltvollen Ideologie gesehen.
In der erneut verschärften Asylpolitik wird die Gleichheit der Menschen zu einer hohlen Phrase. Dabei sind FLINTA auf Flucht und in Kriegen in besonderer Weise betroffen. Sexualisierte Gewalt wird hier zur ideologischen und realen Waffe.

Hoffnung und Mut ziehen wir daher aus verschiedenen feministischen Bewegungen, wie der Revolution im Iran, die Frauentevolution in Rojava und den großen Protesten gegen Femizide in Italien. Die Krankenhaus-Beschäftigten in Berlin und NRW führten diese Kämpfe zuletzt weiter und streikten für bessere Arbeitsbedingungen und menschliche Gesundheitsversorgung.

Diese Beispiele verdeutlichen, wie erfolgreich Kämpfe sein können, wenn Frauen und queere Menschen ganz vorne stehen und wenn wir solidarisch und gemeinsam protestieren. Wir wissen, dass wir uns nicht auf die „Fortschrittsregierung“ verlassen können, deshalb nehmen wir unsere Zukunft selbst in die Hand!

Kommt alle heraus für einen kämpferischen 8. März!

Gruppe Hausfriedensbruch und Fuck Yeah zu Besuch bei der politischen Krabbelgruppe

22. Februar 2024 by hausfriedensbruch

Am 22. September 2023 waren wir in der politischen Krabbelgruppe zu Gast. Die politische Krabbelgruppe ist ein Spieltreff für Babys, bei dem die sorgetragenden Personen sich zugleich darüber austauschen, wie sie politisch aktiv bleiben können. Wir haben dort die Arbeit der Gruppe Hausfriedensbruch und des Fuck Yeah Sexshopkollektivs vorgestellt und von der gemeinsamen Veranstaltungsreihe berichtet. Anschließend haben wir mit den Teilnehmer*innen darüber diskutiert, wie politische Veranstaltungen aussehen müssten, damit Menschen mit Sorgeverpflichtungen besser daran teilhaben können. Es war eine tolle Diskussion, aus der wir mit neuen Ideen herausgegangen sind. Wir kommen gerne wieder!

Redebeitrag beim Queer-Feministischen Stadt-spaziergang (9.7.23)

11. Juli 2023 by hausfriedensbruch

„Die Hausarbeit ist eine Schlüsselindustrie der Gesellschaft!“

Dieser Satz stammt von der Lohn für Hausarbeit-Aktivistin Pieke Biermann. Von ihr können wir lernen: Unbezahlte Haus- und Sorgearbeit steht keineswegs außerhalb des Kapitalismus. Sie sind im Gegenteil die Voraussetzung des kapitalistischen Lohnarbeitssystems. Haus- und Sorgearbeit produzieren und reproduzieren die Arbeiter*innenschaft und die Arbeitskraft.

Die Arbeiter*innenschaft wird ganz buchstäblich durch Sorgearbeit produziert: durch Schwangerschaft, Geburt, Kinderpflege und -erziehung werden die Menschen hervorgebracht, deren Arbeitskraft später in Form von Lohnarbeit ausgebeutet wird.

Die Sorgearbeit reproduziert aber auch die Arbeitskraft. Sie trägt dafür Rechnung, dass die Menschen immer wieder für die Lohnarbeit einsatzfähig werden. Dafür brauchen sie Essen, das jemand kochen muss; sie brauchen Kleidung, die jemand waschen muss; sie müssen ihre Probleme verarbeiten, die sich jemand anhören muss. Die unbezahlte Sorgearbeit ist das komplementäre Gegenstück zur bezahlten Lohnarbeit.

Da die unbezahlte Sorgearbeit auch heute noch hauptsächlich von Frauen und FLINTA* geleistet wird, bleibt sie ein zentrales feministisches Kampffeld. Die Kämpfe, die darauf ausgetragen werden, sind zahlreich. Von einem haben wir gerade gehört: der Kampf gegen die Ungerechtigkeiten und Spaltungen, die sich aus den globalen Sorgeketten ergeben.

Heute möchte ich nur einen weiteren dieser Kämpfe kommentieren, der gerade aufgrund eines Vorschlags von Familienministerin Paus viel Presse macht. Paus hat vergangene Woche vorgeschlagen, das Elterngeld für Paare zu streichen, die jährlich mehr als 150.000 € verdienen. Der Aufschrei ist groß. Die Regelung würde zwar max. 5% der Paare betreffen und noch dazu nur solche, die sich eine Elternzeit auch ohne staatliche Unterstützung leisten könnten. Dennoch unterzeichneten innerhalb von nur drei Tagen über 400.000 Leute eine Petition gegen Paus‘ Vorschlag. — Was ist da los? Und wie ist dieser Reformvorschlag einzuschätzen?

Was da los ist, analysierte Teresa Bücker treffend in einem Artikel für die Süddeutsche Zeitung. Sie schreibt:

„Ein Teil der Wut über die angekündigte Kappung des Elterngelds dürfte […] damit zu tun haben, dass die meisten Eltern im Alltag unter hohem Druck stehen, die Tage aus Job und Care zu lang sind und müde machen und sie in der Pandemie erlebt haben, kaum politische Unterstützung zu bekommen. […] Wut und Verunsicherung entladen sich nun über ein symbolisches Thema.“

Dabei solidarisieren sich viele Menschen gegen ihre Interessen mit den Reichen, weil sie sich unberechtigterweise von Paus‘ Vorschlag mitbetroffen fühlen.

Und wie ist der Reformvorschlag einzuschätzen?

Wir denken, im Wesentlichen erstmal so, dass er für die allermeisten Eltern nicht viel ändern würde. Das ist aber nichts Gutes. Denn es muss sehr viel geändert werden.

Das Elterngeld ist sozial ungerecht, weil es als Lohnersatzleistung konzipiert ist. Wer vorher viel verdiente, bekommt auch viel Elterngeld, nämlich bis zu 1800€ monatlich. Wer wenig verdiente, oft nur den Sockelbetrag von 300€. Menschen, die auf Sozialleistungen angewiesen sind, bekommen gar nichts: Denn das Elterngeld wird auf andere Leistungen angerechnet. Das ist klassistisch und ungerecht!

Betrachtet man das Elterngeld unter einen Lohn für Hausarbeit-Perspektive, wird außerdem dieselbe Sorgearbeit unterschiedlich hoch entlohnt: Besserverdiendende cis Männer bekommen für das Kümmern ums Baby mehr Geld als die meist schlechter verdienenden Frauen und FLINTA*. Die Sorgearbeit einer Informatikerin in Elternzeit wird besser entlohnt als die einer Erzieher*in. Eltern in der Grundsicherung, Asylsuchende oder geduldete Menschen bekommen einfach gar nichts. Ihre Sorgearbeit ist dem Staat null Euro wert. Das ist sexistisch, klassistisch und rassistisch!

Statt uns über Paus‘ Vorschlag aufzuregen und sinnlose Petitionen der Klassenkämpfer*innen von oben zu unterzeichnen, sollten wir radikalere Vorschläge machen, um das Elterngeld sozial umzugestalten. Wir müssen die Kindergrundsicherung fordern! Wir müssen eine einkommensunabhängige Zahlung von Elterngeld für alle Eltern fordern! Wir müssen ein höheres Elterngeld fordern, damit schwangere Frauen und FLINTA* nicht mehr in die Abhängigkeit von ihren Partner*innen geraten!

Wir von der Gruppe Hausfriedensbruch beschäftigen uns aus materialistischer Perspektive mit Kämpfen um die Haus- und Sorgearbeit. Wir wollen verstehen, welche Funktion die Haus- und Sorgearbeit in kapitalistischen Produktionsverhältnissen übernimmt. Wir wollen analysieren, welche Gestalt die Ausbeutung der Haus- und Sorgearbeit heute annimmt. Wir wollen aufzeigen, wo sexistische, rassistische und klassistische Spaltungen entstehen. Und wir wollen dafür kämpfen, dass das alles anders wird: wir kämpfen gegen die systematische Ausbeutung der Sorgearbeit, gegen sexistische Arbeitsteilung, gegen die Spaltung von weißen und rassifizierten Frauen und FLINTA*. Und wir kämpfen auch für etwas: Wir wollen eine andere, wir wollen eine gerechtere, wir wollen eine sorgezentrierte Gesellschaft!

Veranstaltungsreihe im Gängeviertel

15. März 2023 by hausfriedensbruch

 

  • 02.04.23: „50 Ways to Leave Your Ehemann“ – Lesung & Gespräch mit Jacinta Nandi (mit Kinderbetreuung)

 

  • 30.04.23: „Sorgearbeit und Migration“ – Kurzfilm-Screening & Gespräch mit Filmemacher Leon Follert (mit Kinderbetreuung)

 

  • 07.05.23: „Care, Klima und Kapitalismus“ – Vortrag & Gespräch mit Gabriele Winker (mit Kinderbetreuung – in Kooperation mit der Stiftung Care for Future)

 

  • 04.06.23: „The Future is a Metaphor“ – Szenische Lesung zu Care-Utopien in feministischer Science Fiction (mit Kinderbetreuung – gefördert durch SWIP)

 

  • 11.06.23: „Reproduktive Gerechtigkeit für alle!“ – Ein Selbstlern-Workshop (mit Kinderbetreuung – gefördert durch SWIP)

 

  • FÄLLT AUS! 02.07.23: „Kämpfe um Sorgearbeit in Hamburg“ – Podiumsdiskussion mit Hamburger Initiativen (mit Kinderbetreuung)

 

Beginn immer um 15:30 Uhr — im Seminarraum der Fabrique im Gängeviertel (Valentinskamp 34a im Hinterhaus, Zugang durch die Schierspassage oder über die Caffamacherreihe).

Für Kinderbetreuung bitten wir um Anmeldung unter: hausfriedensbruch@riseup.net

 

Sorgearbeit ist unumgänglich. Wir kümmern uns um uns selbst, um uns nahestehende Menschen und oft auch um andere, ob bezahlt oder unbezahlt. Wir sorgen, pflegen und reproduzieren das Leben, das durch Ausbeutung, Herrschaft und Diskriminierung tagtäglich beschädigt wird.
Wie und von wem diese Reproduktion geleistet werden soll, ist schon lange umstritten. Spätestens aber seitdem Hausfrauen und Familienlöhne weitgehend der Vergangenheit angehören, ändert sich die Sorgearbeit schnell und ist erbittert umkämpft. Zuletzt hat die Corona-Pandemie Auseinandersetzungen um die skandalösen Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern und Pflegeheimen bekannter gemacht, aber auch die Ungleichverteilung und Prekarität der unbezahlten Sorgearbeit in Familien wieder auf die politische Agenda gesetzt.
In vielen Ländern greifen feministische Streiks, genauso wie Kämpfe um gynäkologische Selbstbestimmung und reproduktive Gerechtigkeit, sexistische und patriarchale Strukturen an. Angesichts der Klimakatastrophe entwickeln sich aktivistische und theoretische Verbindungen zu Kämpfen um Umweltschutz und Klimagerechtigkeit. Denn in der Zerstörung der Natur zeigt sich dieselbe kapitalistische Krise der Reproduktion wie in der Ausbeutung unserer Fähigkeit, uns umeinander zu sorgen.
Worin gründet diese Krise und wie können feministische Kritik und aktuelle Kämpfe um Sorgearbeit auf sie antworten? Wie steht es um die verschiedenen Kämpfe bei uns in Hamburg? Welche Zusammenhänge bestehen zwischen den großen, gesellschaftlichen Veränderungen der Reproduktion und unseren privaten, unmittelbaren Sorgebeziehungen? Und: Wie können wir uns eine solidarische, sorgezentrierte Gesellschaft vorstellen, wo setzen wir am besten heute die ersten Steine für diese Utopie? Kurz: Wie können wir die Kontrolle über die Reproduktionsmittel gewinnen?

Um diese Fragen zu diskutieren, laden wir, das Fuck Yeah-Kollektiv und die Gruppe Hausfriedensbruch, euch zu einer feministischen Veranstaltungsreihe mit unterschiedlichen Formaten ein.
Kommt vorbei, denkt und streitet mit uns. Lasst uns Kritik üben, die Utopie entwickeln, Wege zu ihr finden und Hoffnung schöpfen.

Radiofeature „Lohn gegen Hausarbeit – Eine Erinnerung an die Zukunft“

21. Februar 2021 by hausfriedensbruch

„Lohn für Hausarbeit“ forderte in den 1970er Jahren eine internationale Kampagne der Frauenbewegung mit dem Ziel, unentlohnte Hausarbeit als Arbeit sichtbar zu machen und in ein Kampffeld zu verwandeln. Sie verknüpfte materialistische Kapitalismuskritik und die feministische Zurückweisung von Diskriminierung und einseitiger Zuweisung von Hausarbeit an Frauen.
Heute sind Haus- und Sorgearbeit nicht weniger geworden, aber der Kampf gegen sie scheint vergessen. Trotz der Veränderungen der Reproduktionssphäre in den letzten 50 Jahren sind zentrale Fragen der Kampagne noch aktuell: Warum muss Feminismus antikapitalistisch sein? Warum gehört zum Antikapitalismus der Blick auf die Reproduktionsarbeit? Wie lässt sich Hausarbeit verweigern und vergesellschaften?
So schwankt etwa die Debatte um Care-Arbeit zwischen Reformforderungen und Gesellschaftskritik hin und her. Ein aktualisierender Rückblick auf die Analysen der Lohn-für-Hausarbeit-Kampagne soll helfen, ihr einen Impuls in Richtung Gesellschaftskritik zu geben – und politische Perspektiven jenseits der bloßen gleichen Verteilung von Care-Arbeit zwischen den Geschlechtern eröffnen.

Das Feature versammelt ein Gespräch innerhalb der Gruppe Hausfriedensbruch, ein Interview mit der Autorin und Care-Aktivistin Gabriele Winker, Zitate aus zentralen Texten der Bewegung und aus der schönen Literatur sowie Musik zum Thema Hausarbeit.

Das Feature ist im Audioportal Freier Radios zugänglich: Feature Lohn gegen Hausarbeit – eine Erinnerung an die Zukunft.

 

 

Sendetermine: Montag, 08.03.2021, zwischen 10 und 23 Uhr als Teil der Sendung M8 im Freien Sender Kombinat Hamburg (FSK) und nocheinmal Dienstag, 09.03.2021, 10 Uhr auf FSK.

FSK: Im Hamburger Radio auf der Frequenz 93,0 MHz oder als Livestream unter https://www.fsk-hh.org/livestream

Material zum Feature findet ihr hier.